Richard Wagner Museum
Foto: Richard Wagner Museum

Richard Wagner Museum:

Interview mit Frau Tanja Dobrick und Frau Kristina Unger, Richard Wagner Museum mit Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth

 

Bitte stellen Sie sich und das Richard Wagner Museum kurz vor:

 

Das Richard Wagner Museum mit Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth verwahrt und betreut die weltweit größte Sammlung von Archivalien zu dem in Leipzig geborenen Komponisten Richard Wagner (1813-1883), seiner zweiten Frau Cosima (1837-1930) und deren Nachkommen. Mit seinem umfangreichen Bestand an Autographen, Manuskripten, Briefen, Musikalien, Objekten, Fotos und Forschungsliteratur ist das Nationalarchiv die weltweit bedeutendste Sammlung und Forschungsstätte zu Richard Wagners Person, seinem Werk und seiner Rezeption.

 

Tanja Dobrick: Ich bin Historikerin und Wissenschaftliche Dokumentarin und seit 2015 als stellvertretende Dienststellenleiterin im Nationalarchiv tätig, wo ich für das Graphik- und Bildarchiv zuständig bin. Zusammen mit meiner Kollegin Kristina Unger führe ich ein Projekt zur Digitalisierung und Erfassung des Herzstücks des Archivs durch, der Briefe, Manuskripte und Musikalien aus dem Nachlass Richard und Cosima Wagners. Dabei ist es sehr spannend und lehrreich, daran mitzuwirken, aus einer Idee ein konkretes Vorhaben zu machen und in vielen kleinen und größeren Schritten zu dessen erfolgreicher Umsetzung beizutragen.  

 

Kristina Unger: Seit 2004 bin ich als Diplom-Bibliothekarin im Nationalarchiv für die Bibliothek und das Handschriftenarchiv zuständig. Schwerpunkt meiner Tätigkeit ist die Beantwortung von Nutzeranfragen zu den vorhandenen archivarischen Quellen. Aufgrund der vielfältigen Anfragen ist die Aufgabe auch nach vielen Jahren sehr spannend. Als besonders bereichernd empfinde ich das persönliche Gespräch mit Forschenden, die zu Recherchen ins Nationalarchiv kommen, da ich dadurch ebenfalls immer wieder Neues dazulernen kann.

 

Bitte berichten Sie von Ihrem Digitalisierungsprojekt. Worum geht es und wie kam es dazu?

 

K. Unger: Ziel unseres auf drei Jahre angelegten Projektes ist die Digitalisierung und Erfassung des Nachlasses von Richard und Cosima Wagner. Der Bestand umfasst ca. 12.500 archivalische Einheiten mit 66.000 Digitalisaten. Ein wichtiges Anliegen dieses Projekt sind die Sicherung und Erhaltung des Bestands. Ein Großteil unserer Anfragen lässt sich ohne Weiteres anhand eines Digitalisats beantworten, so dass die empfindlichen Originalhandschriften nur noch bei speziellen Forschungsfragen vorgelegt werden und damit langfristig der Nachwelt erhalten bleiben.

 

T. Dobrick: Digitalisierung ist ein allgegenwärtiges Thema, das insbesondere Archive, denen oft ein verstaubtes Image anhaftet, für sich nutzen können: Durch die Onlinestellung von Sammlungsbeständen können Archive einen orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf wertvolle Einzelstücke bieten. Dies stellt nicht nur für Forschende auf der ganzen Welt einen Mehrwert dar, sondern erlaubt auch einer breiteren interessierten Öffentlichkeit auf unkomplizierte Weise einen Blick auf seltene Dokumente zu werfen. So kann man zukünftig z. B. die in Samt gebundene Partitur von Richard Wagners „Tristan und Isolde“ digital durchblättern. Dadurch werden Archive als Gedächtnisinstitutionen, als Bewahrer und Vermittler von Wissen, stärker als bislang wahrgenommen werden.      

 

Warum haben Sie sich entschieden, die Software Visual Library zu verwenden und das Hostingangebot des hbz anzunehmen?

 

T. Dobrick: Zur Erfassung der Bestände wird im Museum, im Nationalarchiv und in der Bibliothek das Museumsmanagementsystem MuseumPlus verwendet. Daher stand von vornherein fest, dass eine Softwarelösung gefunden werden muss, die mit MuseumPlus kompatibel ist. Unter dieser Prämisse haben wir die auf dem Markt vorhandene Software sondiert und verschiedene Lösungen miteinander verglichen. Besonders wichtig war uns, eine Software zu finden, die in der Lage wäre, alle Prozesse vom Scannen bis zur Onlinestellung abzudecken, um Reibungsverluste zwischen unterschiedlichen Arten von Software zu vermeiden. Mangels Kapazitäten und spezifischem Fachwissen hätten wir weder die technische Betreuung noch die Abstimmung diverser Softwarelösungen aufeinander leisten können.

 

K. Unger: Vor diesem Hintergrund war gerade das Angebot einer Projektbegleitung durch die Firmen Walter Nagel und semantics, die in ihrer Zusammenarbeit erprobt sind, für uns interessant und auschlaggebend für unsere Wahl. Damit war gewährleistet, dass wir einen Ansprechpartner haben werden, der uns durch alle Prozesse im Projekt begleitet und bei Fragen und Problemen, insbesondere technischer Art, unterstützt.

Entscheidend war überdies die langjährige Kooperation beider Firmen mit dem Hochschulbibliothekszentrum (hbz) Köln. Damit bot sich eine Lösung für die Sicherung und langfristige Speicherung unserer Digitalisate in einer großen öffentlichen Institution, die über weitreichende Erfahrung mit vergleichbaren Projekten und Institutionen verfügt. Als Beispiel konnten wir uns an einem sehr ähnlichen Projekt des Literaturarchivs Monacensia in München orientieren und erhielten von den dortigen Kollegen auch freundliche Unterstützung.

 

Wie wichtig war Ihnen der konstruktive und enge Austausch bei der Projektvorbereitung?

 

T. Dobrick: Der fachliche Austausch mit semantics und Walter Nagel vor und während des Projektes war sehr bereichernd und wichtig, da sie uns bei vielen unserer Fragestellungen kompetent zur Seite standen und hilfreiche weiterführende Hinweise gaben.

 

Gibt es schon weitere Projektideen für die Zukunft?

 

T.  Dobrick: Wir verfolgen das große Ziel, all unsere Sammlungen online sichtbar zu machen. Dazu haben wir einen Masterplan erstellt, in dem alle Bestände aufgeführt sind und dargelegt ist, auf welche Weise sie in Zukunft zugänglich gemacht werden können. Mit dem jetzigen Digitalisierungsprojekt haben wir die Infrastruktur mit einem Archivscanner und der Software Visual Library geschaffen, die für weitere Projekte genutzt werden kann. Und tatsächlich planen wir bereits ein neues Projekt.

 

K. Unger: Wir werden unser großes Ziel weiter verfolgen und kommende Projekte Schritt für Schritt planen und umsetzen, um unsere Internetseite mit weiteren Inhalten zu füllen. Nicht nur wir selbst setzen uns dieses Ziel, auch unsere Nutzer wünschen sich dies. 

 

Welche drei Tipps/Erfahrungen würden Sie mit Kollegen teilen, die vor der Planung ihres ersten Digitalisierungsprojekts stehen?

 

1. Zeit:

Wenn externe finanzielle Förderung für die Durchführung eines Projektes erforderlich ist, sollte für Planung, Vorbereitung und die Klärung von Fragen (z. B. Was soll gescannt werden? Wie sollen die Digitalisate weiterverarbeitet werden?) ausreichend Zeit vor der Stellung eines Förderantrags vorgesehen werden. Je besser ein Projekt vorbereitet ist und je mehr Puffer an unterschiedlichen Stellen eingeplant sind, umso leichter kann man mit unvorhergesehenen Problemen umgehen. Da mit einer Förderzusage Termine und ein zeitliches Korsett vorgegeben werden, entsteht ein äußerer Zeitdruck, dem sich dadurch begegnen lässt.

 

2.  Vergleichsprojekte und fachliche Verbündete suchen:

Als wir anfingen, ein Digitalisierungsprojekt zu planen, suchten und fanden wir vergleichbare Projekte und Institutionen. Mit den dortigen Kolleginnen und Kollegen konnten wir uns austauschen und von deren Erfahrungen profitieren, wodurch ein kleines Netzwerk entstand. Dieser Austausch war für uns eine sehr hilfreiche und wertvolle Erfahrung.

 

3. Externe fachliche Unterstützung in/an dem Projekt:

Als große Unterstützung empfanden wir die Projektbegleitung und die Projektmanagementunterstützung – insbesondere, da es sich um das erste Projekt dieser Art in unserem Hause handelte. Neben dem Tagesgeschäft ist es fast unmöglich, ein solches Digitalisierungsvorhaben ohne externe Unterstützung zu planen und nach Plan umzusetzen.