Albertina Wien
© Rupert Steiner

Albertina Wien:

Interview mit Peter Ertl, Leiter des Fotoateliers des Kunstmuseums Albertina in Wien.

Stellen Sie sich doch bitte kurz vor und berichten Sie uns von Ihrer Arbeit im Fotostudio der Albertina.

Seit über 30 Jahren bin ich in der Albertina als ausgebildeter Fotograf tätig und heute für das Fotoatelier verantwortlich. Angefangen habe ich mit der schwarz-weiß-Fotografie, und dann haben wir Scanbacks verwendet. Heute arbeiten wir ausschließlich mit neuster Digitaltechnik, zu der eine hochauflösende Kamera von PhaseOne sowie der Hochleistungsscanner SupraScan (Produktseite) der Firma i2s gehört. Im Atelier werde ich tatkräftig von meiner Kollegin Frau Mag. Pohankova unterstützt, die ebenfalls ausgebildete Fotografin ist.

 

Unsere Arbeit hat im Prinzip zwei große Schwerpunkte. Zum einen werden die eigenen Bestände sukzessive für die Langzeitarchivierung, Online-Präsentation (http://sammlungenonline.albertina.at) oder zur weiteren Verarbeitung, wie z. B. Ausstellungskataloge digitalisiert.
Zum anderen erstellen wir hochwertige Scans von unseren Beständen, die kostenpflichtig von externen Auftraggebern bestellt werden können.

 

Das Besondere an unserer Arbeit ist die große Vielfalt der Objekte. Im Bestand der Albertina befinden sich Bücher, Grafiken und Gemälde in allen Größen. Hauptsächlich scannen wir aber Grafiken und Zeichnungen bis zu einer Größe von DIN A1. Dabei sind fast alle Objekte Unikate und zudem sehr wertvoll. Daher ist es wichtig, dass wir sehr vorsichtig und schonend beim Digitalisieren vorgehen.

 

Mit welchem Hintergrund haben Sie sich überhaupt für „Buchscanner“ interessiert, wo Sie bisher sehr erfolgreich mit Kamerasystemen gearbeitet haben?

Es gab einige Punkte, die dazu geführt haben, dass wir uns intensiver mit Buchscannern beschäftigt haben.

Bei uns in der Albertina ist es z.B. vorgegeben, dass die Kamera aus Sicherheitsgründen nicht direkt über der Vorlage aufgehängt werden darf. Das führt dazu, dass wir die zu scannenden Vorlagen z.B. schräg an eine Wand lehnen mussten. Trotzdem müssen wir das Licht sowie die Kamera parallel ausrichten und darauf achten, dass das Objekt nicht wegrutscht. Auch konservatorisch ist dieses Verfahren für manche Objekte mehr als problematisch. Ein Scanner in dem die Kamera fest verbaut ist, bietet die Möglichkeit das Objekt flach hinzulegen und ganz einfach im lotrechten Winkel zu scannen.

 

In Bezug auf die Beleuchtung war uns sehr wichtig, dass das Objekt nur sehr kurz und zugleich gleichmäßig beleuchtet wird. Gerade bei der Arbeit mit dem Scanback und der zugehörigen Lichttechnik hatte man eine dauernde Lichtbelastung zu akzeptieren.

Zudem haben wir nach einem Verfahren gesucht, das die Imageentwicklung und andere zeitaufwendige Nachbearbeitungen überflüssig macht und uns damit wertvolle Zeit spart.

 

Nicht zuletzt wollten wir auch eine Buchwippe haben, weil die Albertina auch große Bestände an historischen Bücher hat und diese zukünftig digitalisiert werden sollen.

 

Wie verlief die Suche bzw. die Auswahl eines geeigneten Gerätes? Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Bevor wir uns für ein Gerät entschieden haben, wurde eine ausführliche Marktsichtung durchgeführt. Wir wollten sicher gehen, dass wir die richtige Entscheidung treffen und das optimale Gerät für unsere Ansprüche finden.

Die Marktsichtung selbst hat mehr als 1 Jahr in Anspruch genommen. Nachdem ich mich im Internet über diverse Lösungen informiert und mit den jeweiligen Anbietern telefoniert habe, bin ich zu Kollegen gefahren und habe mir deren Anwendungen im Einsatz angeschaut und mir von den Erfahrungen berichten lassen. Parallel dazu habe ich eine Fachveranstaltung im Ausland besucht, um einen tieferen Einblick in die Funktionsweise von Buchscannern zu erhalten. Letztendlich haben wir auch verschiedene Testscans angefertigt und verglichen, denn die Bildqualität ist natürlich ein sehr wichtiger Faktor.

 

Man muss dazu sagen, dass ich bei der Suche nach einem passenden Gerät auch das „Klebebandprojekt“ und die daraus resultierenden Anforderungen im Hinterkopf hatte. Die Maschine soll ja nicht nur für die aktuellen Aufgaben sondern auch für zukünftige Anwendungen geeignet sein.

 

Warum fiel die Entscheidung auf den i2s SupraScan A1V und was waren die entscheidenden Kriterien für genau diese Lösung?

Ein paar wichtige Anforderungen habe ich oben bereits erwähnt. Wichtig für unsere Entscheidung waren vor allem ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und die gute Bildqualität. Mit unserem Scanback haben wir die „Qualitätslatte“ schon sehr hoch gelegt und daher war klar, dass wir auch bei einem Scanner keine Kompromisse eingehen werden. Unsere internen und externen Kunden sind diese Qualität gewohnt und wir wollten auf jeden Fall diesem Anspruch auch weiterhin gerecht werden.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Entscheidungsfindung war die  LED-Beleuchtung. Unsere Konservatoren haben nur LED-Licht akzeptiert und neben der Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung war natürlich auch die sehr kurze Lichtbelastung der Vorlage ein wichtiges Kriterium.

Da wir in unserem Atelier auch mit sehr großen Vorlagen arbeiten, benötigen wir einen gewissen Raum für unsere Tätigkeit. Daher mussten wir einen Scanner finden, der zwar große Vorlagen einscannen kann aber trotzdem selbst wenig Platz einnimmt.

 

Als letzten Punkt möchte ich noch erwähnen, dass die vor-Ort-Betreuung in Wien für mich ein wichtiger Aspekt ist. Wir arbeiten mit einem Hochleistungsscanner und haben sehr schwieriges Material zu verarbeiten. Da ist es mir wichtig, dass ich Ansprechpartner in der Nähe habe, die mir bei Fragen und Problemen helfen können. Derzeit arbeiten wir gemeinsam mit den Konservatoren an einer Haltevorrichtung für extrem dicke und schwere Bände und sind gespannt auf die endgültige Lösung.

 

Im Vergleich zu der Arbeit und den Ergebnissen einer Kamera. Was sind die drei wichtigsten Vorteile des Scanners gegenüber einer Kamera

  1. Die geringe Wärme- und Lichtbelastung.
  2. Die flache und damit unbedenkliche Lage des Scanobjektes.
  3. Die gleichmäßige Ausleuchtung und damit die gleichmäßige Scanqualität auch bei großen Vorlagen.

 

Kurzportrait Albertina Wien

Die Albertina besitzt nicht nur eine der größten und wertvollsten grafischen Sammlungen der Welt mit Werken wie Dürers "Feldhase" und Klimts Frauenstudien. Ihre neue Schausammlung präsentiert Meisterwerke der Moderne und spannt damit den Bogen von Monet über Picasso zu Baselitz. Als größtes Habsburgisches Wohnpalais thront die Albertina an der Südspitze der Hofburg auf einer der letzten Basteimauern Wiens. (Quelle: www.wien.info)

www.albertina.at