Der Oldenburger Sachsenspiegel digital – neue Einblicke in eine alte Handschrift

02.02.2012 Ι Pressemitteilung: Landesbibliothek Oldenburg | 30.01.2012 Ι Bibliotheken, Museen und Archive

Die berühmte Oldenburger Bilderhandschrift des Sachsenspiegels aus dem Jahr 1336 liegt meist im Tresor der Landesbibliothek Oldenburg und darf aus konservatorischen Gründen nur ganz selten gezeigt werden. Am 30.1.2012 wurde nun der digitale Oldenburger Sachsenspiegel der Öffentlichkeit präsentiert. Unter der Internetadresse http://digital.lb-oldenburg.de kann die kostbare Handschrift erstmals Seite für Seite von jedermann, zu jeder Zeit und von jedem Ort der Welt aus betrachtet werden. Ermöglicht haben dies die Niedersächsische Sparkassenstiftung als Eigentümerin der Handschrift sowie die Projektförderung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der Europäischen Union. „Es ist unser Ziel, dass so herausragende Kulturgüter wie der Oldenburger Sachsenspiegel für alle Bürgerinnen und Bürger sichtbar und erlebbar werden“, betont die Niedersächsische
Ministerin für Wissenschaft und Kultur Frau Prof. Dr. Johanna Wanka.

 

„Selbst Sachsenspiegel-Kenner werden von der digitalen Ausgabe überrascht sein“, ist sich Michael Heinrich Schormann, stellvertretender Geschäftsführer der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, sicher, „denn auf dem Bildschirm kommen Details ans Licht, die in über 650 Jahren wohl kaum jemand gesehen hat.“ Jede Bewegung der Schreibfeder, jede Nuance der Kolorierung, jeden feinen Riss in der Blattgoldauflage und selbst die Poren des Pergaments macht die Zoomfunktion gestochen scharf sichtbar. Dafür baute Spezialfotograf Karl Perstling aus Bad Aussee im Tresorraum der Landesbibliothek eigens eine Apparatur auf, auf der jedes Blatt durch leichtem Unterdruck behutsam angesaugt, schonend ausgeleuchtet und mit hoher Auflösung digital fotografiert wurde. Besonders stolz ist Perstling auf die originalgetreue Wiedergabe des Blattgoldes. Auch Corinna Roeder, Leiterin der Landesbibliothek Oldenburg, ist von der Qualität der Digitalisate begeistert und sieht darin auch Vorteile für die Wissenschaft: „Wenn alle vier Bilderhandschriften des Sachsenspiegels jetzt digital im Internet verglichen werden können, wird dies auch der internationalen Forschung zum Sachsenspiegel neue Impulse geben“, so Roeder.

 

Der digitale Oldenburger Sachsenspiegel und die digitale Sammlung Brandes werden als Beitrag der Landesbibliothek Oldenburg künftig auch in das im Aufbau begriffene Portal „Kulturerbe Niedersachsen digital“ integriert werden.
Oldenburger Sachsenspiegel digital: http://digital.lb-oldenburg.de

 


Hintergrundinformationen zum Sachsenspiegel:
Der zwischen 1220 und 1230 verfasste Sachsenspiegel des Ministerialen Eike von Repgow ist das bedeutendste deutsche Rechtsbuch des Mittelalters und beeinflusste die Rechtssetzung in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas. Zahlreiche Abschriften und Druckausgaben bezeugen seine lebhafte Rezeption bis in die Neuzeit hinein. Nur vier mittelalterliche Handschriften sind jedoch illustriert – und zwar in einer besonderen Form: In einer zweispaltigen Seitenaufteilung werden den Textzeilen jeweils Bildstreifen zugeordnet, die den Text veranschaulichen und kommentieren. Die Oldenburger Bilderhandschrift wurde 1336 im Auftrag von Graf Johann III. von Oldenburg durch den Benediktinermönch Hinrich Gloyesten im Kloster Rastede in mittelniederdeutscher Sprache geschrieben. Der Text ist vollständig, der Bilderzyklus blieb unvollendet. Die Handschrift ist Eigentum der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und wird in der Landesbibliothek Oldenburg aufbewahrt.

 

Die Pressemeldung im PDF-Format erhalten Sie hier.

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